Aryzta

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Re: Aryzta

Beitragvon nostradamus » Mi Okt 09, 2019 2:55 pm

Ich bin einigermassen erstaunt wie schwach sich Aryzta vor, aber auch nach den Jahreszahlen entwickelt hat. Anfangs Mai stand die Aktie kurz über CHF 1.50 und nun ist sie bei CHF 0.68.
Für mich befindet sich Aryzta in einem klassischen Turnaround. Es ist immer schwierig abzuschätzen, wann die Talsohle durchschritten ist, doch denke ich, dass wir nicht weit davon entfernt sind. Das neue Management liefert mehr oder weniger das, was sie versprochen haben. Wunder können auch sie nicht vollbringen und auch Makrofaktoren spielen natürlich eine grosse Rolle. Wichtige Schritte wurden aber eingeleitet und sind grössten teils umgesetzt:
- Einstellen eines neuen Management-Teams
- Restrukturierung der Bilanz: Kapitalerhöhung, Refinanzierung der Kreditfaszilitäten
- Abstossen von Teilen, die nicht zum Kernbusiness gehören: Picard, anderes
- Anpassen des Produktionskapazitäten
- Neuverhandeln/Aufgeben von verlustbringenden Verträgen
- Festigen von Kundenbeziehungen

Im vergangenen Jahr hat Aryzta zwar beim Umsatz nicht zugelegt, aber die Marge konnte leicht erhöht werden. Zudem wurde operativ Cash generiert, auch wenn noch auf bescheidenem Niveau. Falls der Turnaround-Plan weiter umgesetzt wird, könnte in 2 Jahren die Situation folgendermassen aussehen: Umsatz bei EUR 3.7bn (konservativ unverändert zu heute angenommen), EBITDA von EUR 440m (12% Marge gegenüber 12-14% mittelfristigem Target des Managements). Nehmen wir weiter an, dass viel investiert wird und der freie Cashflow der nächsten zwei Jahre nur die Zinsen der Hybridanleihen deckt (40-50m pro Jahr).

Zur Zeit hat Aryzta einen Unternehmenswert von ca EUR 2.05bn bestehend aus:
Market Cap: EUR 600m (991m x 0.68 CHF)
Net debt: EUR 730m
Hybride plus aufgelaufene Zinsen: EUR 870m
Erlöse aus Picard Verkauf: - EUR 150m
=600+730+830-150=2050

Nimmt man dann ein EBITDA von EUR 440m ergäbe sich ein EV/EBITDA Multiple von 4.7x gegenüber (6.7x heute - 2050/307)
Sollte Aryzta im Oktober 2021 stabilisiert sein, EUR 440m EBITDA erreichen oder für's folgende Jahr anpeilen, wieder organisch 2-4% wachsen, eine Marge von 14% anstreben und EUR 200m freien Cashflow pro Jahr machen, dann erachte ich einen EV/EBITDA Multiple von min. 8x für angemessen. Für die Aktionäre würde es dann folgendermassen aussehen:

8 x EUR 440m = EUR 3520m - 730m - 870m +150m = EUR 2'070m x 1.09 = CHF 2250m
Auf die 991m Aktien aufgeteilt wären dies dann knapp CHF 2.30 pro Aktie
Gegenüber den CHF 0.68 heute wäre dies ein Anstieg von über 200%.

Klar es liegen einige Hürden vor Aryzta und die 12% Margen sind kein Kinderspiel, aber trotzdem beurteile ich das Chancen/Risiko Verhältnis heute als das attraktivste seit einer sehr, sehr langen Zeit.

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Re: Aryzta

Beitragvon PizMedel » Di Nov 19, 2019 2:38 pm

kurze Antwort zu Aryzta, auf den Wunschin hin im Cosmo Blog:

Aktuell sieht man erste zaghafte Schrittchen vorwärts. Die Stabilisierung des Geschäfts scheint zu gelingen. Trotzdem kann auch noch einiges schief gehen, vor allem was die Margenentwicklung angeht. Diese muss dann doch noch deutlich besser werden als heute um eines Tages schöne Reingewinne zu schreiben.

Natürlich hätte man die Aktie vor ein paar Wochen kaufen sollen, dann könnte man heute aussteigen. Eine sehr gute Alternative sehe ich aktuell bei den beiden ausstehenden Hybrid-Anleihen. ARY13 handelt bei ca. 88% flat. Dabei inbegriffen sind Nominal + ca. 12% aufgelaufene/aufgeschobene Zinszahlungen, die laufende Verzinsung beträgt 5.2%. Da ich davon ausgehe, dass die Firma in ca. 3 Jahren diese Bonds refinanziert, dürfte die Rendite auf Verfall/Call ca. 12% betragen. Dasselbe gilt für ARY14 die bei 81% handelt und ca. 8.5% aufgelaufenen Zinsen, die Verzinsung beträgt 3.5% p.a.

Diese beiden Hybrid Anleihen sind für mich aus heutiger Chancen/Risiko Betrachtung die attraktivere Variante als die Aktie.
Wie man bei der letzten AK-Erhöhung gesehen hat, dürfte in einem negativen Szenario zuerst nochmals das AK erhöht werden, oder im schlechtesten Fall für die Hybrid-Gläubiger, diese Schulden in AK wandeln. Wandeln wird man aber immer zu 100% des Nominals+aufgelaufene Zinsen und steigt dann bei einem absoluten Tiefstkurs in die Aktien um. Aus diesem Grund sehe ich für die Käufer der Hybrid-Anleihe auch kaum ein Verlustrisiko. Dafür müssten wir schon aufhören Brötchen zu essen, wofür mindestens vorläufig nichts spricht.

Gruss
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Re: Aryzta

Beitragvon Perestroika » Mi Nov 20, 2019 9:05 am

Hallo PizMedel

herzlichen Dank für deine Einschätzung. Ich habe Aryzta zwei mal getradet und könnte mich in den Arsch beissen, dass ich letzte Woche bei 0.93 verkauft habe... Jä nu....

Am 22.11. kommen Zahlen, dann sieht man ev. schon ein wenig, ob man Aryzta als längerfristige Anlage ins Depot legen kann. Die Schuldenlast ist aber immer noch sehr hoch. Die Sache mit den Hybriden ist auch eine Überlegung wert...

greetz
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Re: Aryzta

Beitragvon Dilbert » Mi Nov 27, 2019 3:01 pm

Aryzta - also soooo mies sieht das Q1 nicht aus, finde ich: Klar, Umsatzrückgang 2.5% - unschön.

ABER: Schuldenreduktion läuft, Devestitionen kappen "schlechte Risiken", Einsparungsprogramm greift - und wird noch weiter greifen. Wenn nun noch der Kostendruck einigermassen erträglich bleibt, dann kann sich Aryzta m.E. freischwimmen. Braucht etwas Zeit, klar.

Sobald die Fortschritte breitere Anerkennung finden (das könnte m.E. in den nächsten 6 Monaten der Fall sein), dann steht einem Kursgump in ARYN nix mehr im Weg. Kursgump auf Basis heutiger Nievaus, meine ich - und auch nicht auf Phantasie-Niveaus, sondern +/- das was heute als "fairer Wert" durch die Reihen geistert.... also irgendwas um 1.40-1.60. Das wäre dann klar nur ein Zwischenschritt - aber immerhin.

(((edited: Nicht, dass der falsche Eindruck entsteht - Aryzta hat noch eine nette Netto-Verschuldung von 1.6 Mrd Euronen... nicht ganz ohne... aber eben: m.E. gute Chancen auf finanzielle Morgendämmerung)))


Grüsse
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Re: Aryzta

Beitragvon kosh » Do Nov 28, 2019 5:51 pm

Im Cash-Forum sieht @gertrud das ganz ähnlich wie @PizMedel. Nicht dass die Aktie ohne Potential wäre, aber beide bevorzugen die Hybriden.
Heute übrigens meinte sie zu COPN:
Das stimmt so nicht mit der "unglaublichen Wertvernichtung".

Cosmo ist einer der ganz wenigen Pharmaentwickler an der SIX, die Wert geschaffen hat. Nach meinen Infos haben sie bisher CHF 650 Mio Investorengelder aufgenommen und damit eine BöKap von aktuell 1.1 Mrd CHF geschaffen.

Ich seh das ja auch bei GAM, bis die endlich Luft draussen ist, dauert es erstens länger und zweitens als man denkt. Alle 3 genannten allerdings aus unterschiedlichen Gründen: Wirklich am Markt versagt hat nur ARYN, GAM hat ein Imageproblem selbst erschaffen und bei COPN ist seit Jahren warten angesagt. Ich muss leider sagen, dass ich bei 0,70 zu wenig gierig war um einzusteigen. Evt. bietet sich noch eine 2. Chance mit weniger Risiko und Potential - kleinere Brötchen backen ;)
Grüsse
kosh
PS: Man tut was man kann und man kann was man tut.
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